Gesellschaft
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Die Welt gilt als grausam. Diese Diagnose ist vertraut geworden, beinahe selbstverständlich. Sie begleitet politische Krisen ebenso wie private Enttäuschungen und scheint durch ihre scheinbare Evidenz jede weitere Nachfrage zu erübrigen. Doch gerade diese Selbstverständlichkeit [...] -
Heino Jaeger brachte die Sprache zum Kippen. Er zeigte, wie Vernunft ins Absurde driftet, wenn man sie nur lange genug reden lässt. Seine Hörstücke sind akustische Zerfallsprotokolle des bürgerlichen Diskurses – komisch, unheimlich, brillant chaotisch. Es [...] -
Technik wird selten zum Monster – ihre Einbettung schon. Von den Ludditen bis zur KI zeigt Shelleys «Frankenstein», wie Fortschritt soziale Spaltungen vertieft, wenn Verantwortung fehlt und ökonomische Macht sich konzentriert. Als Mary Shelley 1818 «Frankenstein» veröffentlichte, [...] -
Wir haben die Höhle nicht verlassen – wir haben sie modernisiert. Platons Gleichnis zeigt, wie tief Illusionen greifen und wie schwer es ist, dem Sog der Bilder zu entkommen. Selten war es aktueller als heute. Platons [...] -
Die menschliche Vernunft verliert ihr Privileg. Wenn künstliche Intelligenz jene Fähigkeiten übernimmt, die wir einst für unser geistiges Alleinstellungsmerkmal hielten, entsteht eine Kränkung, die tief ins Selbstverständnis greift: Wir erkennen uns plötzlich im Funktionieren der [...] -
Wenn Maschinen schreiben können, wird Schreiben zur Frage der Präsenz. Autorschaft zeigt sich nicht mehr in Stil oder Virtuosität, sondern in der Entscheidung, sich dem Wahrscheinlichen zu verweigern – im Zögern, im Risiko, im Bruch der [...] -
Die alten Konfliktlinien kehren zurück. Zwischen Identitätspolitik und sozialer Frage verläuft ein Riss, der die Linke seit 1968 begleitet – und den heute die Rechte strategisch nutzt. Wer verstehen will, warum der Hauptwiderspruch wieder verhandelt [...] -
Zwischen naivem Vertrauen in Objektivität und foucaultscher Skepsis wird sichtbar, wie sehr sich Herrschaft dort einnistet, wo wir Neutralität voraussetzen. Wissenschaftliche Objektivität wirkt dabei weniger eindeutig neutral, sondern eher wie ein Verfahren, das mitbestimmt, welche Wahrheiten [...]
Politik
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Die Sehnsucht nach der Entscheidung kehrt zurück – als politische Versuchung einer ungeduldigen Gegenwart. Trump verkörpert einen Stil, der Verfahren abkürzt, Institutionen marginalisiert und den Ausnahmezustand zur alltäglichen Geste erhebt. Carl Schmitt hat die Chiffre [...] -
Wer Trump ideologiekritisch liest, sieht weniger die Person als die Funktion. Als Charaktermaske verkörpert er jene spätkapitalistische Konstellation, in der Unternehmerfigur, Populismus und medialer Spektakelwert zu einer einzigen Rolle verschmelzen. Der Begriff der Charaktermaske dient in [...]
Bücher
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Was als Rückkehr der Geschichte firmiert, ist oft nur die Rückkehr des Verdrängten. Handelskriege, protektionistische Politiken und ökonomische Blockbildungen erscheinen heute als Bruch mit einer angeblich stabilen Weltordnung. Werner Plumpes «Gefährliche Rivalitäten» zeigt hingegen: Die [...] -
Ein Buch über eine Kamera – und über eine Epoche, in der Sehen noch eine Praxis war. «Augen auf! 100 Jahre Leica» erzählt nicht nur Technikgeschichte, sondern rekonstruiert das visuelle Gedächtnis des 20. Jahrhunderts. Was wäre, [...] -
Wie wurde aus sperriger Theorie einmal ein Lebensstil? Philipp Felsch erzählt in «Der lange Sommer der Theorie» von einer Epoche, in der schwierige Texte nicht nur gelesen, sondern gelebt wurden – in Seminarräumen, Hinterhöfen, Copyshops und Clubs. Sein [...] -
Zwei Figuren, zwei Rollen – und eine Resonanz, die Jahrzehnte wirkte. Zwischen Springer und Zehrer entsteht eine Konstellation, in der Theologie der Tat und Unternehmergeist ineinandergreifen und die politische Publizistik der frühen Bundesrepublik nachhaltig formen. Sommer [...]